Startseite -> Reiseberichte

 

Tierschutz in Rumänien - wie alles für mich begann -

Reisebericht von Ingrid Weidig

Juli 2009. Miercurea Ciuc - eine Kleinstadt in den östlichen Karpaten in Rumänien.
Dort habe ich im Rahmen einer Rumänienreise ein Tierheim besucht, in dem rund 400 Hunde - überwiegend ehemalige Straßenhunde und viele Welpen - Schutz finden. Das Tierheim wird von einer rumänischen Privatinitiative geleitet und von dem deutschen Verein "Freundeskreis Bruno Pet e.V." tatkräftig und finanziell unterstützt.

Das ist z.B. der FRANZ

Franz am Maschendraht-Gitter

 

Das sind NICO und ULJANA

Nico und Uljana

 

In Miercurea habe ich Meli (aus Deutschland) kennengelernt, die dort eine fantastische Arbeit mit den Hunden leistet: Neben dem alltäglichen Stress mit dem allgegenwärtigen rumänischen Chaos arbeitet sie jeden Tag speziell mit Angsthunden, die aufgrund schlimmer Erfahrungen Angst vor Menschen oder ihren eigenen Artgenossen haben, um sie wieder zu sozialisieren. Ich habe sie im Tierheim besucht und dabei fotografiert. Meli ist mit der Veröffentlichung der Bilder einverstanden.

Meli nimmt Kontakt zu SERANO auf, der schreckliche Angst vor Menschen hat, jedoch irgendwann nicht widerstehen kann, die Leckerchen nimmt und sich streicheln lässt, obwohl er das alles noch gruselig findet.

Sie Streichelt ihn fast ohne ihn zu berühren

 

und kann ganz vorsichtig Kontakt zu ihm aufnehmen

 

Andere Hunde lassen noch keinen Kontakt zu. Diese beiden - CASSANDRA und HEDY - flüchteten vor uns in die hinterste Ecke ihres Zwingers.

zwei verängstigte Hunde

 

Das ist der freundliche RAMON

Der Junghund Ramon

 

Rumänien hat viel zu viele Niemandshunde, die aber vom Gros der Bevölkerung durchaus akzeptiert und durchgefüttert werden, oder vom Abfall leben. So helfen sie, Ratten- und Mäuseplagen zu vermeiden. Hunde laufen in Rumänischen Kleinstädten und Dörfern allgemein frei auf den Straßen herum, auch wenn sie eindeutige Besitzer haben. Das ist seit Jahrhunderten so, und war beispielsweise auch in Südfrankreich noch vor 20 Jahren üblich. Wir haben durchaus zufriedene, gesund wirkende Niemandshunde gesehen, die fröhlich mit meinen Hunden gespielt haben.

Dabei möchte ich betonen, dass die meisten Rumänen durchaus tierlieb sind, das habe ich dieses Jahr zum wiederholten Male feststellen können, auch wenn in den deutschen Medien eher von den Greueltaten der Hundefänger von Braşov oder Bukarest berichtet wird.

Leider hat Rumänien in Braşov eine berüchtigte Tötungsstation in der die Hunde auf brutale Weise umgebracht werden. So sind in Miercurea Hunde aus der nahen Kleinstadt Gheorgheni untergebracht, die von Hundefängern aus Braşov auf Anordnung des dortigen Bürgermeisters eingefangen wurden. Eine Gruppe resoluter Frauen aus Gheorgheni ist selbst nach Braşov gefahren und hat "ihre" Straßenhunde von dort gerettet. Leider durften sie sie in Gheorgheni nicht wieder frei lassen. Ein Teil der HUnde wurde eben in Miercurea untergebracht.

 

Besondere Sorgenkinder des Tierheims sind immer die Welpen

 

Meli mit einem Welpen auf dem Arm

die an manchen Tagen kartonweise abgegeben oder einfach am Zaun abgestellt werden. Oft sind sie nur wenige Tage alt und haben kaum Überlebenschancen.

So wie dieser winzige Welpe, der hier im Sterben lag. Ihm war nicht mehr zu helfen, aber Meli hat ihm ein paar Tropfen gegen Schmerzen gegeben und ihn bei seinen Geschwisterchen gelassen, damit er nicht allein sterben musste. Mehr konnte sie nicht mehr für ihn tun. Am nächsten Morgen war er tot.

Sterbender Welpe

 

Es sind so viele, oft sterben sie Staupe oder Parvovirose, an Zwingerhusten, Unterernährung oder durch Darmparasiten.

Viele Welpen

 

Die Stärkeren überleben und können auf eine Zukunft in Deutschland hoffen, was natürlich angesichts der überfüllten Tierheime in Deutschland auch eine zwiespältige Sache ist. Ich habe sehr lange darüber nachgedacht, komme aber nur zu dem Schluss, dass ich zu keinem befriedigenden Ergebnis kommen kann. Das Beste ist auf jeden Fall, die Streuner einzufangen, zu kastrieren und anschließend ihr Leben an ihrem angestammten Platz weiterleben zu lassen. Bei den Welpen sieht das natürlich anders aus: Sie haben keinen angestammten Platz, sie kommen auf die Welt, und niemand will sie haben. Ich beende diesen Abschnitt mit einem traurigen Fragezeichen.

Dieser kleine Welpe will leben,

Elpe hinter Gittern

 

ebenso wie dieser schon ältere Kettenhund IKARUS, dem es hier fast besser geht als vorher: irgendwo völlig isoliert angekettet, ohne Schutz vor Sonne oder Kälte, um irgendetwas zu bewachen, was ihm überhaupt nichts bedeuten konnte

Hund an einer Kette

Jetzt hat er seine Hütte, bekommt regelmäßig Futter und Wasser und hat Kontakt zu Artgenossen.

Das ist TEXAS,

Der Rüde Texas

 

Spooky SPOKANE,

der Rüde Spooky

 

die schöne ULJANA,

Uljana

 

dieser Rüde BUNDAS einfach mitsamt Hütte, Kette und Napf im Tierheim vorbeigebracht, da er unnütz geworden war?

Hund vor seiner Hütte

DAs sind nur einige von rund 400 Hunden. Die Zahl schwankt täglich.

Ich zitiere mal einen Eintrag aus Meli's Rumänien-Tagebuch aus Miercurea:

"06.09.09 Sondereintrag Welpen, Welpen, Welpen ... Wir brauchen Eure Hilfe!

Bambi, Berenice (ca. 5 Monate alt) und Conroy (3 Monate alt) kamen zusammen mit 6 ca. 2-3 Wochen alte Welpen mit dem Müllauto an. Berenice und Bambi waren in einem schlechten Zustand, Berenice speichelte wie verückt unt zitterte am ganzen Leib. Bambi war mit Durchfall verschmiert. Zu den ganz Kleinen wurde mir nur mitgeteilt, dass die Mutter tot ist. Am nächsten Tag wurde mir erzählt, dass alle von einer Firma weggeholt wurden. Der Besitzer hatte die Hundefänger gerufen. Zu dem Zeitpunkt als die Hundefänger kamen lebte die Mutter noch...
Heywood, Heloise und Howey wurden nachts über den Zaun geworfen. Yucca kam mit 12 neugeborene Welpen mit dem Müllauto...
Odelia, Ofilio und Orly kamen mit ihrer Mutter Ornella im Tierheim an, ich weiss leider nicht wie. Ornella war sehr verstört und brauchte ein paar Tage, ihre Jungs waren anfänglich misstrauisch, nur Odelia fand alles klasse. Sie sind ca. 3 Monate alt...
Torrey kam mit Mutter Terrine und einem Geschwisterchen, das leider gestorben ist. Inzwischen ist er ca. 2 Monate alt.
Stanley und Stevano sind die Kinder von Stella. Sie kamen mit dem Müllauto. Sie sind inzwischen ca. 2,5 Monate alt. Marie-May und Mario sind die Kinder von Marie, am 12.06.09 im Tierheim geboren. 2 Geschwisterchen sind gestorben...
Tami, Tarafee und Talela wurden von den Hundefängern gebracht. Mutter Tamara hatte sie in einer Grünanlage zur Welt gebracht und wurde von 2 Frauen versorgt. Aber sie störten wohl ein paar Fußgänger... sie sind inzwischen ca. 2,5 Monate alt.
Stefan - 2 Tage nach der Geburt von Susannes Kinder wurde er, ebenfalls erst wenige Tage alt, vom Futterlieferanten mitgebracht, er fand ihn an der Strasse. Inzwischen stolze 4 Monate alt, fertig durchgeimpft und auf der Suche nach einem Zuhause...
Fay und Fevian waren sehr klein und zart. Beide sind leider krank geworden, befinden sich aber auf dem Weg der Besserung und dürften inzwischen knapp 3 Monate alt sein."

 

ein sehr kleiner Welpe


"Batman kam mit 2 weiteren Welpen mitten in der Nacht im Tierheim an, das war eine der Hupaktionen. Die anderen beiden sind relativ kurz nach Ankunft gestorben, er erholte sich, wurde aber nun erneut krank."

Der Welpe Batman

 

"Billy kam fröhlich an und wurde sofort krank. Nach langem, intensivem Kampf ging er als Sieger hervor und wurde wieder gesund. Inzwischen ist er ausreisebereit und sucht ein Zuhause..."

Meli mit Billy

 

Die "Küche" für die Futterzubereitung, bestehend aus Essensresten des nahen Gefängnisses, diversen Lebensmittelspenden und Trockenfutter,

Küche für Hundefutter

 

ein alter Reifen dient als Futternapf.

Ein alter Reifen als Futternapf

 

Ein alter Kettenhund, ICARUS, 8 Jahre.

ein alter Kettenhund

 

im Hintergrund die wunderschöne Landschaft.

Das Tierheim und die Landschaft im Hintergrund

 

Meli mit Easy:

Meli mit Easy

 

 

Ich war von diesen Hunden fasziniert.
Ganz besonders die Hunde wie Texas oder die Geschwister BUBE und BEBA, ca 9 Monate alt,

zwei junge Hunde

 

und ihr Bruder BOBA:

Boba, ein Herdenschutzhund mix

 

entsprachen meinem "Beuteschema". Sie sprachen mich auf einer Ebene meines Unterbewusstseins an, gegen die ich mich nicht wehren konnte.
Ich wollte BOBA haben. Diesen ganz besonderen Hund, der zwar neugierig auf mich war, aber sich nicht anfassen lassen wollte.
Er war mein Start in die Tierschutzarbeit in Rumänien. Er war meine Triebfeder, er und die vielen anderen Herdenschutzmischlinge der östlichen Karpaten.
Doch vorerst war BOBA für mich unerreichbar. Er sei noch nicht vermittlungsfähig, da viel zu ängstlich und ausserdem habe er einen Futterpaten, der ihn gerne adoptieren wollte, wenn er denn "soweit" sei.


Daher kam im Oktober 2009 als erster Pflegehund aus Miercurea der kleine Hütehundmischling BILLY bei mir an.

 

Fellini

 

Ich nannte ihn FELLINI und er blieb etwa drei Monate bei mir, um die Welt kennenzulernen. (Hier auf der Nordseeinsel Texel)
Fellini

 

Sheila und Fellini

Im Januar 2010 habe ich seine Menschen gefunden, er wohnt im selben Stadtteil wie ich, und erst vorgestern habe ich ihn noch im Wald getroffen. Die enge Freundschaft zwischen Sheila und Fellini hat die Jahre überdauert. Nur Shahri mag den "Konkurrenten" immer noch nicht.

 

Um es schon vorweg zu nehmen: Am 30. Dezember 2011 kam dann endlich endlich auch BOBA bei mir an.
Er heisst nun SILVAN und lebt ganz in meiner Nähe. Mein Traum ist also wahr geworden.
Silvan gehört zum Stadtwaldrudel

 

Aber bis es soweit war .... das ist eine andere lange Geschichte.

^nach oben

< zurück

 


© Initiative KarpatenStreuner, 2014. Impressum
Alle Texte, Fotos und Videos sind durch Copyright geschützt!
Kopieren, Vervielfältigen und Weiterverwenden (auch auszugsweise) ist ohne unser schriftliches Einverständnis nicht erlaubt.